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Richtige Ernährung für Hunde und Katzen – was der Tierarzt empfiehlt

Allgemein

Die Ernährung von Hunden und Katzen zählt zu den grundlegendsten, aber auch komplexesten Bereichen der Tierhaltung. Sie entscheidet nicht nur über das Gewicht des Tieres, sondern beeinflusst auch das Immunsystem, die Organfunktion, die Lebenserwartung und die Lebensqualität. Viele gesundheitliche Probleme wie Allergien, Hautprobleme, Magen-Darm-Erkrankungen oder Gelenkbeschwerden lassen sich direkt oder indirekt auf Fehler in der Ernährung zurückführen.

Dabei ist die Futterwahl nicht immer einfach: Trockenfutter oder Nassfutter? BARF oder gekocht? Getreidefrei oder nicht? Ergänzungen ja oder nein?

In diesem umfassenden Beitrag erfahren Sie, was eine artgerechte, ausgewogene und gesunde Ernährung für Hunde und Katzen ausmacht – basierend auf tierärztlichen Empfehlungen. Wir klären Irrtümer, beleuchten verschiedene Fütterungsmethoden und zeigen, wie Sie individuell auf die Bedürfnisse Ihres Tieres eingehen.

1. Die Grundlagen: Was brauchen Hunde und Katzen wirklich?

Hunde und Katzen haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Nahrung – allein schon deshalb, weil sie aus evolutionsbiologischer Sicht zwei verschiedene Wege gegangen sind:

  • Katzen sind strikte Fleischfresser (Obligate Karnivoren). Sie benötigen tierisches Eiweiss, bestimmte Aminosäuren wie Taurin und Arachidonsäure sowie Vitamin A in vorgeformter Form. Kohlenhydrate können sie nur begrenzt verstoffwechseln.
  • Hunde sind hingegen sogenannte fakultative Karnivoren – also Fleischfresser mit der Fähigkeit, auch pflanzliche Bestandteile zu verwerten. Sie benötigen hochwertige Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe – aber in anderer Gewichtung als Katzen.

Die fünf Säulen einer ausgewogenen Ernährung :

  • Proteine – wichtig für Muskeln, Gewebe, Enzyme
  • Fette – Energielieferanten, wichtig für Haut, Fell, Gehirn
  • Kohlenhydrate – optional, aber energiereich
  • Vitamine – wichtig für Stoffwechselprozesse
  • Mineralstoffe und Spurenelemente – u. a. für Knochen, Blutbildung, Zellfunktion

Ein ausgewogenes Futter stellt sicher, dass alle diese Komponenten in der richtigen Menge und Zusammensetzung enthalten sind – angepasst an Alter, Gewicht, Aktivität und Gesundheitszustand.

2. Nassfutter, Trockenfutter, BARF – was empfiehlt der Tierarzt?

Nassfutter

  • Hoher Feuchtigkeitsgehalt (ca. 70–80 %)
  • Gute Akzeptanz
  • Ideal für Tiere, die wenig trinken (v. a. Katzen)
  • Leichter verdaulich bei empfindlichem Magen

Empfehlung : Für Katzen in vielen Fällen besser geeignet. Auch für ältere Hunde mit Zahnproblemen oder wenig Trinkverhalten oft die erste Wahl.

Trockenfutter

  • Geringer Feuchtigkeitsanteil (ca. 10 %)
  • Praktisch in der Handhabung
  • Längere Haltbarkeit
  • Günstiger in der täglichen Fütterung

Achtung : Tiere müssen bei Trockenfütterung unbedingt ausreichend trinken. Die Gefahr von Blasensteinen (v. a. bei Katzen) kann erhöht sein.

BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter)

  • Rohes Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse und Zusätze
  • Ermöglicht individuelle Anpassung
  • Naturnah – aber aufwendig

Risiken laut Tierärzten :

  • Fehlversorgungen bei Laien (v. a. Calcium/Phosphor-Verhältnis)
  • Keimbelastung (Salmonellen, Listerien)
  • Gefahr für Mensch und Tier bei unsachgemässer Handhabung

Fazit : BARF ist eine Möglichkeit, setzt aber viel Fachwissen voraus. Empfehlenswert nur bei fundierter Beratung oder mit Fertig-BARF-Mischungen, die ausgewogen konzipiert sind.

3. Futterqualität erkennen – was auf die Verpackung gehört

Wer ein Fertigfutter kauft – ob nass oder trocken – sollte auf Qualität achten. Doch woran erkennt man diese?

Zutatenliste

  • Hochwertiges Futter nennt die genaue Fleischquelle: z. B. „Huhn 30 %“ statt nur „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.
  • Je kürzer die Liste, desto besser – Zusatzstoffe, Farbstoffe, Zucker sind unnötig.

Deklaration

  • Offene Deklaration : Alle Bestandteile einzeln aufgeführt
  • Geschlossene Deklaration : Sammelbezeichnungen – weniger transparent

Analytische Bestandteile

  • Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser – wichtig zur Einschätzung
  • Aschegehalt sollte nicht zu hoch sein (v. a. bei Katzen)

Zusatzstoffe

  • Vitamine und Spurenelemente müssen zugesetzt werden
  • Achten Sie auf natürliche Konservierungsmethoden (z. B. Vitamin E)

4. Altersgerechte Ernährung – vom Welpen bis zum Senior

Die Bedürfnisse eines Tieres verändern sich im Lauf des Lebens. Entsprechend sollte auch das Futter angepasst werden.

Welpen und Kätzchen

  • Energie- und nährstoffreich
  • Angepasst an schnelles Wachstum
  • Erhöhter Bedarf an Calcium, Phosphor, Proteinen

Tierärztlicher Tipp : Kein selbst zusammengestelltes Futter in der Wachstumsphase – die Gefahr von Fehlentwicklungen ist hoch.

Adult (ausgewachsene Tiere)

  • Erhaltung des Gewichts
  • Ausgewogenes Verhältnis aller Nährstoffe
  • Energiezufuhr abhängig von Bewegung

Senioren

  • Reduzierter Energiebedarf
  • Gelenkunterstützende Zusätze (z. B. Glucosamin)
  • Leicht verdauliche Proteine
  • Höhere Anforderungen an die Nierenfreundlichkeit

5. Ernährung bei Krankheiten – Futter als Therapie

Immer häufiger setzen Tierärzt/Innen auf sogenannte diätetische Futtermittel , die gezielt zur Unterstützung bei Erkrankungen eingesetzt werden.

Beispiele:

  • Nierendiät : Reduziertes Phosphor, angepasstes Eiweiss
  • Leberdiät : Hochverdauliche Proteine, wenig Kupfer
  • Gelenkdiät : Omega-3-Fettsäuren, Grünlippmuschel, Antioxidantien
  • Allergiediät : Monoprotein, Hydrolysat, Ausschlussdiät

Wichtig ist hier: Solche Futtermittel sollten nicht in Eigenregie zusammengestellt werden. Die Abstimmung mit der Tierarztpraxis ist entscheidend – auch um Therapierfolge zu kontrollieren.

6. Ernährungstrends kritisch betrachtet

Getreidefrei = besser?

Getreide ist nicht per se schlecht. Viele Tiere vertragen es gut. Nur bei diagnostizierter Unverträglichkeit oder bestimmten Erkrankungen macht eine getreidefreie Ernährung Sinn.

Vegetarische oder vegane Ernährung bei Tieren?

Katzen dürfen nicht vegetarisch oder vegan ernährt werden – ihnen fehlen essenzielle Aminosäuren. Bei Hunden ist eine vegane Ernährung möglich, aber komplex und nur unter tierärztlicher Anleitung sinnvoll.

Superfoods im Hundefutter?

Zutaten wie Chiasamen, Blaubeeren oder Kurkuma werden häufig beworben – ob sie wirklich entscheidend zur Gesundheit beitragen, ist meist wissenschaftlich nicht belegt. Entscheidend ist die Gesamtausgewogenheit .

7. Leckerlis, Kauartikel und Co. – gesunde Ergänzung oder Risiko?

Belohnung gehört zum Alltag. Aber auch Snacks sollten in die tägliche Ration eingerechnet werden. Übergewicht entsteht oft „zwischen den Mahlzeiten“.

Tierärztliche Empfehlungen:

  • Max. 10 % der Tagesration sollte aus Snacks bestehen
  • Zuckerfreie, fettarme Leckerlis bevorzugen
  • Kauartikel (z. B. Rinderhaut) nur unter Aufsicht
  • Keine Knochenreste, gekochten Knochen oder gefährliche Lebensmittel (z. B. Schokolade, Zwiebeln)

8. Trinken nicht vergessen – Wasser als Basis

Besonders bei Trockenfütterung ist eine ausreichende Wasseraufnahme essenziell. Katzen neigen von Natur aus zu geringer Flüssigkeitsaufnahme. Daher:

  • Mehrere Wassernäpfe in der Wohnung verteilen
  • Flache, breite Näpfe (Katzen mögen keine Berührung mit Schnurrhaaren)
  • Trinkbrunnen anregen zur Wasseraufnahme
  • Nassfutteranteil erhöhen bei wenig Trinken

9. Futterumstellung – wie Sie es richtig machen

Eine plötzliche Umstellung kann Verdauungsprobleme verursachen. Deshalb:

  • Über 7–10 Tage schrittweise neues Futter untermischen
  • Langsam den Anteil des neuen Futters steigern
  • Bei Unverträglichkeit Rücksprache mit Tierarzt halten

Achtung : Besonders bei chronisch kranken Tieren (z. B. Diabetes, Nierenleiden) darf die Umstellung nur unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen.

10. Die richtige Ernährung ist individuell – und tierärztlich begleitbar

Was gesunde Ernährung für Ihren Hund oder Ihre Katze bedeutet, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist eine individuell angepasste Fütterung – orientiert am Alter, der Aktivität, eventuellen Vorerkrankungen und den persönlichen Vorlieben des Tieres.

Tierärztinnen und Tierärzte sind dabei die besten Ansprechpartner: Sie erkennen Mangelerscheinungen frühzeitig, begleiten Futterumstellungen fachgerecht und helfen bei der Auswahl geeigneter Produkte – auch im Hinblick auf mögliche Unverträglichkeiten oder Erkrankungen.

Denn: Gute Ernährung ist kein Luxus, sondern Grundlage für ein langes, gesundes und glückliches Tierleben.